Dessau – Unsichtbar sind sie nur vordergründig: Datenpakete. In Sekundenschnelle werden sie zwischen Rechenzentren weltweit ausgetauscht und treiben Warenströme sowie Wissensarbeit voran. Auch archivierte – manchmal längst vergessene Daten – verbrauchen Energie. Trotz der Relevanz im privaten und beruflichen Alltag: Den Energiebedarf digitaler Datenablage und ineffizienter Software haben die meisten Nutzenden viel zu selten auf dem sprichwörtlichen Schirm. Der Blaue Engel weist hierauf anlässlich des diesjährigen Digital Cleanup Day hin und empfiehlt einen Frühjahrsputz für die Festplatte.
Anna Zagorski, Green IT-Expertin im Umweltbundesamt (UBA), sagt dazu: „Datenhygiene, manchmal auch das bewusste Klicken des „Löschen“-Buttons, wird immer noch mit Verzicht gleichgesetzt. Tatsächlich hilft uns eine schlanke Festplatte nicht nur beim Ordnung halten. Alle profitieren – die Umwelt durch weniger Energieverbrauch und die Anwender durch einen klaren Blick auf die eigene digitale Identität. Und beim Blick auf die hierfür passenden Produkte hilft der Blaue Engel.“
Green IT: Der Blaue Engel gibt Orientierung
Zuverlässige Angaben zu Umweltvorteilen digitaler Tools bietet in Deutschland das staatliche Umweltzeichen. Ob energie- und datensparsam programmierte Software, energieeffiziente Rechenzentren, emissionsarme Drucker oder schadstoffarme Computer-Mäuse, die gut zu reparieren sind. Strenge, unabhängige Kriterien, die regelmäßig dem Stand von Wissenschaft und Forschung angepasst werden, stärken die Glaubwürdigkeit im Green IT-Sektor. Der Blaue Engel zeigt damit die Vielfalt und Breite seiner Zertifizierungen. Längst reicht die Vergabe des 1978 etablierten Umweltzeichens weit über Papier und Schreibwaren, Reinigungsmittel und Bau-Produkte hinaus.
Mit Blick auf die Vielfalt von Blauer Engel-Zertifizierungen betont Anna Zagorski: „Blicken wir auf den derzeitigen Boom Künstlicher Intelligenz, fallen schnell die enormen Rechenleistungen auf. Damit bei steigender virtueller Leistungsfähigkeit unsere Umwelt und die Verfügbarkeit von Ressourcen nicht leiden, braucht es klare Standards. Hard- und Software, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet wurde, folgt diesen Standards. Endverbraucher und die staatliche Beschaffung haben so einen klaren Ausweis für leistungsfähige und zugleich langlebige digitale Lösungen.“
Der Blaue Engel für Grüne IT – das bedeutet nicht nur einen Vorteil für die Nutzenden: Rechenzentren weisen sich gegenüber Kundschaft und Wettbewerb als energieeffizient und ihr Angebot als klimaschonend aus. Auch Software-Entwickler*innen profitieren. Die Vergabekriterien des Blauen Engel bieten ihnen die nötige Orientierung, um mögliche Schwachstellen der Software frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Umweltbelastung zu reduzieren.
Dem „Daten-Müll“ auf der Spur: Tipps fürs Aufräumen
Der Digital Cleanup Day widmet sich seit sechs Jahren der Sensibilisierung für den individuellen ökologischen Fußabdruck im Digitalen. Wie langfristig die Auswirkungen von in Millisekunden übertragenen Daten sein können, zeigt auch dieses Jahr ein Blick auf die Zahlen. Die jährlich durch das Internet und seine unterstützenden Systeme produzierten Emissionen von 900 Millionen Tonnen CO2 steigen nach Angaben der offiziellen Website des Digital Cleanup Day rapide weiter an.
Mit folgenden Schritten auf Smartphone, Tablet und PC können Verbraucher*innen zu Energie- und Ressourceneffizienz im Digitalen beitragen:
- Benutzerkonten prüfen: Ist der Account noch in Verwendung? Die Löschung verwaister Accounts stärkt auch die Integrität privater Daten.
- Digitalen „Müll“ entsorgen: Nicht mehr benötigte Dateien, Programme E-Mails oder bereits andernorts gespeicherte Foto- und Videodateien (Duplikate) gelten als digitaler „Abfall“ und können gelöscht werden.
- Backups, Server und Clouddienste prüfen: Archivierte Daten vergrößern ebenfalls den digitalen ökologischen Fußabdruck – wegen des Energiebedarfs für Kühlung und Datentransfer sowie des Rohstoffbedarfs für zusätzlichen Speicher. Die Kontrolle von Backup-Routinen und eventuelle Löschungen können helfen.
- Den Müll vollständig entfernen: Regelmäßiges Leeren des Papierkorbs auf dem Desktop hilft ebenfalls, Speicher freizuhalten.
Für Rückfragen oder ein Interview steht Ihnen Anna Zagorski vom UBA gerne zur Verfügung.