Erfolgsgeschichten des Blauen Engels
Das Umweltzeichen Blauer Engel feiert 2008 sein 30jähriges Jubiläum. Es hat in diesen 30 Jahren eine Vielzahl umwelt- und verbraucherpolitischer Erfolge erzielt.Beispielhaft soll im Folgenden dokumentiert werden, wie das Umweltbundesamt und die Jury Umweltzeichen mit dem Blauen Engel Umwelt- und Gesundheitsprobleme aufgegriffen und thematisiert haben. Dies geschah durch die Beschreibung und Festlegung von Anforderungen und Prüfverfahren an Produkte die relativ umweltfreundlich und weniger gesundheitsbelastend als andere, konventionelle Produkte waren. Die Hersteller und Handelsunternehmen bekamen damit ein deutliches Signal, solche ökologisch vorteilhaften Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. Die Verbraucher – auf der anderen Seite - konnten sich in ihrer Kaufentscheidung am Blauen Engel orientieren und sich bewusst für die bessere Alternative entscheiden. Das Umweltzeichen Blauer Engel fungierte und fungiert damit als Innovationstreiber und verlässliche Orientierungshilfe beim Einkauf. Um die technische Entwicklung widerzuspiegeln, überprüft das Umweltbundesamt periodisch alle 3 oder 4 Jahre die Kriterien und überarbeitet sie - falls notwendig. Am Ende der Laufzeit legt das UBA die Kriterien des Blauen Engels der Jury Umweltzeichen erneut zur Entscheidung vor. Mit dieser Dynamisierung werden die Zeichennutzer angehalten, Produktverbesserungen auf breiter Front einzuführen. Einige Problembereiche wurden später durch Richtlinien oder Gesetze geregelt, so dass das Umweltzeichen hier zurück gezogen werden konnte.
In einigen Fällen haben sich die Hersteller und Handelsunternehmen aber auch dem Umweltzeichen verweigert: Trotz Vergabegrundlage gab es keine Zeichennutzer. Hier erfüllte das Umweltzeichen aber für den Verbraucher auch seine Funktion als Orientierungsmarke, in dem es die Anforderungen beschreibt, die ökologisch vorteilhafte Produkte erfüllen sollten.
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Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für asbestfreie Brems- und Kupplungsbeläge (276 KB)
Asbest geriet bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in den Verdacht, über die Atemwege krebserzeugend auf Lunge und Bauchfell zu wirken. Kontroverse Auffassungen verhinderten rasche Verbote von Asbest. So wurde dieser Stoff in einer breiten Produktpalette bis in die 80er Jahre hinein in großen Mengen eingesetzt. In dieser Zeit wurden jährlich ca. 8.000 Tonnen Asbest zu Bremsbelägen in Deutschland verarbeitet. Damit ergaben sich allein durch diese Produkte vermeidbare und nicht unerhebliche Risiken in der Umwelt. Hinzu kommen hohe Belastungen, denen Arbeitnehmer in Kraftfahrzeugwerkstätten ausgesetzt waren, wenn sie die üblichen Reinigungen der Bremssysteme (Ausblasen) vornahmen.
Da gesetzliche Maßnahmen auf sich warten ließen, vergab auf Empfehlung des Umweltbundesamtes die Jury Umweltzeichen 1980 das Umweltzeichen für asbestfreie Bremsbeläge (RAL-UZ 11). -
Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für Haarsprays, Rasierseifenschäume, Deosprays, -stifte und Roller (275 KB)
Europa- und weltweit hatten FCKW als Treibmittel für Aerosole in Spraydosen einen hohen Anteil am FCKW-Verbrauch. In der Bundesrepublik Deutschland wurden 1975 mehr als 80 % des FCKW-Gesamtverbrauchs für Spraydosen eingesetzt und emittiert.
Mitte der 70er Jahre erhärteten sich erste Verdachtsmomente der Ozonschicht schädigenden Wirkung von FCKW. Diese führten jedoch zunächst nicht zu rechtlichen Maßnahmen zur Reduktion der Verwendung dieser Gase. In Kenntnis der positiven Ersatzmöglichkeiten beschloss die Jury Umweltzeichen nach Empfehlung des Umweltbundesamtes im Jahre 1978 das Umweltzeichen für FCKW-freie Spraydosen (RAL-UZ 3) als eines der ersten Umweltzeichen. Damit erhielten Pumpsprays eine bis dahin nicht vorhandenen Marktchance, insbesondere auch im Haarspraybereich. Sie wurden stark nachgefragt und in ihrer Anwendungsqualität erheblich verbessert.
Das Umweltzeichen für FCKW-freie Spraydosen RAL-UZ 3 lief Ende 1989 aus.
1989 wurde auch die deutsche FCKW-Halon-Verbotsverordnung in Kraft gesetzt, mit der FCKW als Treibmittel für Spraydosen gesetzlich verboten wurden. Das Umweltzeichen hatte einen erheblichen Anschub zur Förderung der technischen Entwicklung von Alternativen geleistet. Es wurde seinerzeit ersetzt durch ein Umweltzeichen für Pumpzerstäuber und deren Nachfüllsysteme mit Haarsprays, Deosprays und Rasierseifenschäumen, das dann noch bis 1999 gültig war. -
Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für abwasserentlastende Kaltreiniger (267 KB)
Bei der Reinigung öl- und fettverschmutzter Metallteile wurden in den 80er Jahren jährlich etwa 30.000 t Kaltreiniger in 36.000 Kfz-Werkstätten eingesetzt. Die verwendeten tensidhaltigen wässrigen Kaltreiniger sowie die Kaltreiniger auf Lösemittelbasis verursachten einige Umweltbelastungen.
Es war dann gelungen, Kaltreiniger mit hoher Reinigungsleistung herzustellen, die nur schwach emulgieren und die Funktion der Leichtflüssigkeitsabscheider nicht beeinträchtigten. Die Jury Umweltzeichen hatte daher 1984 das Umweltzeichen für abwasserentlastende Kaltreiniger (Vergabegrundlage RAL-UZ 29) vergeben. -
Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für blei- und chromatarme Korrosionsschutzanstriche (273 KB)
Die Jury Umweltzeichen hatte 1982 das Umweltzeichen für „blei- und chromatarme Anstrichstoffe für den Korrosionsschutz“ vergeben. Die gekennzeichneten Produkte waren sowohl für Rostschutzmaßnahmen als auch für den „schweren Korrosionsschutz“ geeignet. Beim Korrosionsschutz an Stahlbauten war jedoch zusätzlich eine auf den jeweiligen Anwendungszweck bezogene sachverständige Einzelfallprüfung notwendig.
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Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für lärmarme Baumaschinen (285 KB)
Die Bekämpfung von Baulärm erfolgte in den 70-iger Jahren auf der Grundlage allgemeiner Verwaltungsvorschriften, in denen für die Geräuschemissionen von Baumaschinen nur Richtwerte zur Orientierung vorgeschrieben waren.
Die Industrie widmete sich verstärkt der Aufgabe, Baumaschinen zu entwickeln, die diesen Kriterien entsprachen. Um noch anspruchsvollere Kriterien des Umwelt- und Gesundheitsschutzes in diesen Entwicklungen zu verankern, wurde als Förderinstrument in dieser Produktgruppe ein Umweltzeichen Blauer Engel geschaffen. Bereits 1988 wurde der erste Blaue Engel an lärmarme Radlader vergeben. Damit hat der Blaue Engel die Ziele zur Lärmminderung mobiler Geräte und Maschinen deutlich vorangebracht und das bereits in Zeiten als keine gesetzlichen Grenzwerte den lärmarmen Baustellenbetrieb geregelt haben. -
Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für biologisch schnell abbaubare Schmierstoffe / Hydraulikflüssigkeiten (291 KB)
Umweltpolitisches Ziel war die Substitution konventioneller mineralölbasierender Schmierstoffe durch umweltfreundliche Schmieröle, Schmierfette, Schalöle oder Hydraulikflüssigkeiten mit dem Blauen Engel zu fördern. Im Dezember 1990 beschloss die Jury Umweltzeichen das Umweltzeichen für biologisch schnell abbaubare Schmierstoffe und Schalöle. Die Blauen-Engel-Produkte sind biologisch schnell abbaubar, sie enthalten keine wassergefährdenden Stoffe und entlasten damit Böden, Grundwasser oder Gewässer spürbar. In den 1990-iger Jahren lag der Anteil von Hydraulikflüssigkeiten mit dem Umweltzeichen bei etwa 5%. Bis zum Jahr 2005 stieg der Anteil Bio-Hydraulikölen im stationären Bereich (zumeist Wasserkraftwerke, Schleusen, Wehre etc.) auf 9% und im mobilen Bereich (z.B. landwirtschaftliche Geräte; Bausmaschinen, Forstmaschinen) auf 19%.
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Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für Heizungsanlagen (340 KB)
Das Produktangebot des Blauen Engels zur Erzeugung von Raumwärme hat sich von konventionellen Kesseln über effiziente Techniken bis hin zu Geräten mit regenerativer Energienutzung stetig verbreitert. Hierbei wurden stets neue und innovative Entwicklungen gefördert. Ohne das Umweltzeichen wären die geringen Emissionswerte und die hohen Nutzungsgrade der Heizkessel nicht erreicht worden. Auch bei der Feinstaubminderung von Holzpelletfeuerungen ist der Blaue Engel Wegbereiter für eine besonders emissionsarme Heiztechnik. Viele deutsche Hersteller gehören heute zu den globalen Marktführern.
Damit hat der Blaue Engel die Umweltziele zur Luftreinhaltung und der Klimapolitik der Bundesregierung unterstützt.
Der Markt für Heizungsanlagen wurde bis zum Ende der 90iger Jahre mit Geräten mit dem Blauen Engel dominiert. Mit Marktanteilen bis zu 80% war der Blaue Engel die wichtigste Orientierung für umweltfreundliche Heizungsanlagen. Einige Marktteilnehmer sind jedoch seit der Aufnahme von Kriterien für den Hilfsstrombedarf ab 2003 systematisch aus der Umweltzeichennutzung ausgestiegen. -
Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für schadstoffarme Lacke (272 KB)
Um das Jahr 1980 tauchten sie in Deutschland zum ersten Mal auf: Acryllacke auf der Basis wasserlöslicher Inhaltsstoffe für den Einsatz am Bau. Solche Bautenlacke können seit 1981 das „Blaue Engel-Zeichen“ tragen mit dem Zusatz „umweltfreundlich, weil schadstoffarm“. Das Umweltzeichen für schadstoffarme Lacke hat sich in seiner langen Laufzeit bestens bewährt. Als Folge eines ständig verbesserten Qualitätsprofils wurden die ausgezeichneten Produkte seitdem zunehmend beliebter. Die hierzulande produzierten wasserverdünnbarer Dispersionslacke – die meisten tragen den Blauen Engel – stiegen von 13.000 Tonnen im Jahre 1985 auf ca.92.000 Tonnen im Jahre 2006. Etwa 70 Prozent der wasserverdünnbaren Bautenlacke werden von Heimwerkern verarbeitet. Nach dem großen Erfolg bei Heimwerkern gelingt es nun zunehmend, die Attraktivität der ausgezeichneten Produkte auch für den Bereich der professionellen Verarbeitung zu steigern.
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Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für Recyclingpapier (298 KB)
Dieses Umweltzeichen wurden schon früh zu Beginn der 80er Jahre von der Jury Umweltzeichen beschlossen, um die Altpapiersammlung und Verwertung zu fördern. Diese Aktivitäten werden häufig als Paradebeispiele für umweltfreundliches Verhalten der Bürger und Umweltschutz im Produktbereich schlechthin genannt.
Moderne Herstellungsverfahren ermöglichen heute die Produktion von Recyclingpapieren, die in Optik und Qualität absolut vergleichbar mit Frischfaserpapieren sind. Das UBA kam in seinen Ökobilanzen für graphische Papiere aus dem Jahr 2000 zu dem Ergebnis, dass „es wesentlich umweltverträglicher ist, graphische Papiere aus Altpapier herzustellen, als dafür frische Fasern aus dem Rohstoff Holz zu benutzen“. Seitdem setzt sich das Umweltbundesamt aktiv für eine Erhöhung des Recyclingpapiers in Deutschland ein. Das Umweltzeichen wurde insbesondere von der öffentlichen Hand, d.h. durch die Beschaffung von Recyclingpapier für die öffentliche Verwaltung, und durch private Konsumenten – insbesondere im Bereich Hygienepapier – vorangebracht.
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Erfolgsgeschichte des Blauen Engels für Mobiltelefone (274 KB)
In jeder Nutzungsform des Handys werden Daten mittels Funkwellen bestimmter Frequenzbereiche übertragen. In einem relativ dicht besiedelten Land mit ausgeprägter Infrastruktur wie Deutschland ist letztlich jeder Einwohner den damit verbundenen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt. Vorbeugende Maßnahmen zielen darauf, unnötige Expositionen zu vermeiden bzw. unvermeidbare Expositionen möglichst weitgehend zu minimieren.
Ein wichtiger Indikator für die gesundheitlichen Wirkungen der Funkwellen bei Handys ist die spezifische Absorptionsrate, der SAR-Wert. Um hier den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine eindeutige Orientierung für Handys mit geringem SAR-Wert zu geben, wurde im Jahr 2002 ein Umweltzeichen für emissionsarme Mobiltelefone von der Jury Umweltzeichen beschlossen.
Im Jahr 2007 wurde das Umweltzeichen erstmals an die Firma Kandy Mobile AG vergeben.
Das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht auf seiner Website eine Übersicht über die SAR-Werte der am Markt befindlicher Handys. Dort wird gezeigt, dass ca. 30 % der angebotenen Mobiltelefone den Wert 0,6 W/kg einhalten und unterhalb dieses Wertes liegen. Die hohe Zugriffszahl auf diese Website zeigt, dass diese Frage anders als von der Branche gesehen durchaus Relevanz für die Verbraucherinnen und Verbraucher hat.